10 Gründe (nicht) in London zu leben

Hallo meine Lieben,

Mensch, die Zeit scheint zu rennen. Es kommt mir vor, als sei ich letzte Woche erst aus Brasilien heimgekommen, dabei bin ich mittlerweile seit acht Monaten in Englands Hauptstadt. Und wie ich schon im letzten Beitrag angekündigt habe, hat mein Aufenthalt hier bald ein Ende. In diesem knappen Jahr durfte ich einige Erfahrungen und Eindrücke sammeln, die ich heute mit euch teilen möchte.

Erst eine kurze Erklärung, wieso es überhaupt dazu kam, dass ich hier landete: Ich habe mir London nie ausgesucht, weil ich hier schon immer mal leben wollte – nein, ganz im Gegenteil; dieser Gedanke kam mir noch nie. Der Grund wieso ich hier bin, war ein Freund, der aus England stammte. Ich lebte eine Weile mit ihm zusammen, etwas nördlich von London. Aus gesundheitlichen Gründen, musste er für zwei Monate nach London ins Krankenhaus. Ich entschied mich, solange in London zu verweilen, um in seiner Nähe sein zu können.

Ich fand eine Unterkunft und lebte mich innerhalb der zwei Monate gut ein. Nach diesen zwei Monaten, als mein Freund das Krankenhaus verlassen konnte, stand eigentlich meiner Rückreise nach Deutschland nichts entgegen. Aber mein Bauchgefühl bestand darauf, noch bis Juli zu bleiben und das höchst angenehme Leben auszukosten (Ich musste keine Miete zahlen, fand einen gut bezahlten Job, hatte trotzdem viel Zeit für mich und konnte mir alles leisten, worauf ich Lust hatte). In dieser Zeit lernte ich dann Michael, meinen Freund kennen. So blieb ich letztendlich sechs Monate länger als geplant. 

10 Gründe nach London auszuwandern oder London zu verlassen!

  • Mit über 8.5 Millionen Einwohnern ist London die größte Stadt Europas. Durch diese Masse an Menschen, wächst die Wahrscheinlichkeit, Gleichgesinnte zu treffen. So entwickelten sich Freundschaften mit Menschen, die mehr mit mir gemein haben, als die meisten Freundschaften die ich bisher pflegte. Aber ist man nicht extrovertiert und wird aktiv, um Menschen kennenzulernen, kann man genauso schnell auch vereinsamen. Man ist hier ein Niemand unter Millionen von Menschen. Die Chance jemanden zweimal zu treffen geht gegen Null. Da fühlt man sich schnell unsichtbar und ungebraucht.

 

  • Diese geballte Population merkt man natürlich auch im Alltag. Morgens um acht, sind Ubahnen und Busse so überfüllt, da braucht man auch mal eine Stunde länger, um von A nach B zu gelangen. Aber obwohl man mit Bus und Bahn überall hin kommen würde, legen Autos -privat oder Taxen – den Verkehr lahm. Und die Folgen der überfüllten Straßen zeigen sich nun besonders in der Oxford Street, der wohl bekanntesten Einkaufsstraße Londons. Hier soll die schlechteste Luft der ganzen Welt herrschen (gemessen am Gehalt an Stickoxiden, wie Wissenschaftler des King’s College herausfanden)! Da wundert man sich nicht mehr, dass man Fahrradfahrer mit Luftfilter-Masken sieht.

 

  • London gehört zu den Multi-kulturellsten Städten der Welt. 2007 wurden mehr als 300 Sprachen gesprochen. (Ich habe zwar nebenbei leider kein indisch oder japanisch gelernt, aber mein Englisch ist um drei Klassen besser geworden.) Die weißen Briten machen weniger als die Hälfte der Gesamtbevölkerung aus. Übrigens knapp eine Viertel Millionen Deutsche leben hier. Ich mag diese Vielfalt, immerhin bin ja selbst ein Teil davon. 

 

  • Kultur und Traditionen, etwas das einen höheren Stellenwert hat, als in Deutschland. Theater und Museen gibt es hier öfters als bei uns Kinos. Und alle Museen verzichten sogar auf Eintrittspreise. Es gibt nach wie vor, nur rote Doppeldecker Busse und rote Telefonzellen. Da bleiben die Engländer ihren Traditionen treu. Aber definitiv nur ein Klischee, Teetrinken und die Begeisterung für die Königsfamilie. Ich bin meistens die einzige, die Tee trinkt und die Queen wird hier genauso wenig gefeiert, wie bei uns die Bundeskanzlerin.

 

  • Was schnell auffällt – besonders umso mehr man Richtung Zentral London kommt – man sieht hauptsächlich sehr schlanke, bis magere Mädchen und Frauen. Fitnessstudios gibt es oft mehrmals in einer Straße und sie sind so überfüllt, dass man beinahe den Schweiß schon von draußen riechen kann. Wo ich sonst als schlank gelten würde, bilde ich mir ein, in London aufzufallen, weil ich Speck auf meinen Hüften trage, man meine Bauchmuskeln nicht sieht und meine Oberschenkel sich berühren. Das kann sehr leicht zu Minderwertigkeitskomplexen führen. Mich hat es motiviert Sport zu treiben und gesund zu essen. Aber die Linie zwischen gesund schlank werden und Hungern in Kombination mit täglich zwei Stunden Kardio ist sehr schmal.

 

  • Liebst du Fashion, bist du hier genau richtig. In Zentral London kannst du  dich inspirieren lassen, denn dort sieht jeder so aus, als wäre sie/er gerade vom Laufsteg gekommen. Entfernt man sich vom Zentrum, wird auch der Kleidungsstil lockerer, trotzdem weiterhin trendig. Aber wenn du wie ich, keinen Wert darauf legst und lieber in Sportklamotten rumläufst, fällt man auch hier nicht auf. Denn ob sie tatsächlich Sport treiben oder nicht, Laufhose, Laufschuhe und ein funktionelles T-Shirt, scheinen die neue Alltagskleidung geworden zu sein….es ist ja auch gemütlich!

 

  • Für die einen ein Paradies für andere verursacht es nur Kopfschütteln. Hier hat man die Möglichkeit sieben Tage die Woche einkaufen zu gehen. Und unter der Woche sogar bis 23 Uhr. Klar, das ist sehr bequem, vor allem kann man jeden Tag frisch einkaufen. Aber gleichzeitig, wird der Kaufkonsum angekurbelt. Am Wochenende wird der Auflug mit der Familie ins Einkaufszentrum zum Highlight der Woche. Konsumieren scheint in allen westlichen Ländern, sehr wichtig fürs eigene Ego zu sein, aber mir kommt es London noch mal extremer vor.
    Parallel zu diesem Kaufrausch, besonders ermöglicht durch Fast Fashion und 1Pfund-Shops, gibt es aber auch eine andere Entwicklung. Es gibt gut ausgestattete Secondhand Läden wie Sand am Meer. Ebenso läuft „Gumtree“, eine Verkaufsplattform, sowie Ebay unheimlich gut – ganz einfach aus dem Grund, weil hier so viele Menschen leben.

 

  • London ist so teuer! Hört man eigentlich immer, wenn es darum geht, in London Urlaub zu machen. Ja und nein. Ja – Unterkünfte sind teuer. Wohnen generell, sprich Miete zahlen, ist extrem teuer. Aus meinen Augen nicht bezahlbar. Aber was Essen angeht, empfinde ich London nicht als teurer als deutsche Städte. Besonders nicht, wenn man die englische Währung verdient. Gerade was biologische Produkte angeht, habe ich oft das Gefühl, dass es hier sogar etwas günstiger ist.

 

  • Irgendwo las ich mal: „Je größer die Stadt, desto schneller laufen die Menschen.“ Das fällt wahrscheinlich jedem aus, der aus dem Dorf oder Kleinstadt nach London kommt. Alles ist schneller. So auch das Essen. Deswegen gibt es Unmengen an Take-away (Essen zum Mitnehmen) Restaurants und Bistros. Interessant ist, dass die Kette „Pret a manger“, die damit wirbt, nur frisches Essen ohne Konservierungs- und andere Zusatzstoffe zuzubereiten, weitaus stärker vertreten ist, als McDonalds oder Starbucks! Auch in normalen Supermärkten gibt es eine große Auswahl an abgepackten Sandwiches, Obst, Salaten, Sushi und Desserts – natürlich alles in Plastik.

 

  • Apropos Plastik. Hier hängen die Engländer noch weit hinterher. Die Einführung, für Plastiktüten zahlen zu müssen, ist noch ganz frisch. Und die Liebe für Coffee to go, zahlt sich ebenfalls aus. 68  Millionen Pappbecher mit Plastikdeckeln werden täglich in England weggeschmissen. Da häuft sich ein gewaltiger Berg an.

Das waren meine 10 Gründe, wieso man unbedingt mal in London gewohnt haben sollte oder wieso man niemals nach London ziehen sollte. Ich habe versucht so neutral wie möglich zu bleiben, denn meine Gründe zum auswandern, werden für andere Gründe zum bleiben sein – oder umgekehrt. Ich denke, dass muss jeder für sich entscheiden.

Eine persönliche Anmerkung möchte ich aber machen. Ich bin froh, wenn ich England endlich den Rücken zukehren kann. Aber trotzdem, möchte ich die Erfahrungen und Eindrücke der letzten Monate nicht missen. Denn das Leben hier hat mich erst dazu gebracht, mein „altes“ Leben wertzuschätzen. Damit meine ich ganz besonders die Natur und Stille. Etwas, wonach man in London endlos sucht. Die Schnelllebigkeit saugt dich an der Oberfläche fest und es fällt sehr schwer (Ich sage nicht, dass es unmöglich ist), dem Leben mehr Tiefe zu geben.
Außerdem habe ich Menschen getroffen, die mir so viel geholfen haben und deren Großzügigkeit mein Herz immer wieder erwärmen, wenn ich dran denke. So zum Beispiel, das Geschwisterpaar, bei denen ich nun 8 Monate lebe ohne Miete zahlen zu müssen. Außerdem habe ich Michael hier kennengelernt und erfahren, wie sich Liebe anfühlt. Allein deswegen war es jeder Tag wert, hier zu sein,


Mit diesen kitschigen Worten, beende ich den heutigen Artikel 🙂
Ich hoffe er hat dir gefallen. Warst du schon einmal in London? Was wären Gründe für dich, in Englands Hauptstadt auszuwandern – oder was würde dich davon abhalten? Lass es mich in den Kommentaren wissen.

***Die Reihenfolge der Gründe hat keine Bedeutung und es gibt mit Sicherheit noch viele mehr***

Seid gespannt auf den nächsten Artikel, denn dort werde ich endlich verraten, was unsere Pläne in Deutschland sind und wieso ich deine Unterstützung dafür brauchen werde! Möchtest du auf dem Laufenden bleiben, like HIER, meine Facebookseite.

Denkefair - Rucksack

Bis nächste Woche 🙂

Daria

 

 

Bildquellen

  • Denkefair – Rucksack: @Michael Virahsawmy
  • 20130711_220530: Daria

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.