Reisetagebuch Mauritius 2 – Bollywood Hochzeit

Eine indische Braut zum Altar führen

Tag 1 – Körperverzierung mit Henna-Farben

Wie schon im letzten Artikel geschrieben, war der Grund für meinen Aufenthalt in Mauritius eine Hochzeit der Familie meines Freundes. Aber hierbei handelte es sich nicht um eine ganz gewöhnliche Vermählung. Ich durfte einer traditionellen indischen Hochzeit beiwohnen, wie man sie aus den Bollywood Filmen kennt. Außergewöhnlich war allein schon, dass die ganze Zeremonie vier Tage andauerte. Die ersten zwei Tagen feierten das Brautpaar separat. Hier war auch nur die engste Familie eingeladen. Am ersten Tag besuchten wir die Braut. Erstmal gab es großes Essen, dass hier traditionell mit den Fingern gegessen wird (Ich brauchte eine Weile, bis ich die „richtige“ Technik drauf hatte.) Zu unserem Glück war das ganze Menü vegan. Nach dem Essen, versammelten sich alle zu einem Sitzkreis und eine Gruppe älterer Damen mit Trommeln und Rasseln begannen zu singen und barfuß zu tanzen.

Ich bekam dann die Gelegenheit über meinen Schatten zu springen, da ich von den Tänzerinnen in die Mitte gezogen wurde um mitzutanzen. Vor einem Jahr hätte ich das bestimmt nicht gemacht und hätte mich mit Füßen und Händen gewährt. Es war zwar anfangs unangenehm, aber im Nachhinein war ich stolz auf mich selbst.

Währenddessen bekam die Braut Henna auf Hände und Füße gemalt und später konnten sich auch alle anderen weiblichen Gäste verzieren lassen. Die Gelegenheit ließ ich mir natürlich nicht entgehen.

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Tag 2 – Rasam of Haldi – Kurkuma Ritual

Den Nachmittag darauf verbrachten wir im Hause des Bräutigams, dessen Elternhaus zu einem gigantischen Festzelt umgewandelt wurde. Dort fand eine kleine Zeremonie für ihn statt, wo er von einem Geistlichen eine Art Segen bekam.  Im Anschluss wurde er von der Familie mit Kurkuma eingerieben. Im Internet fand ich den Grund für diesen ungewöhnlichen Brauch: Kurkuma ist eine außergewöhnliche Heilpflanze, die die Haut schöner macht. Da die Hochzeit der wichtigste Tag der Ehe ist, wollen beide natürlich wunderschön aussehen. Und deswegen wird Kurkuma genutzt um die Haut an dem Hochzeitstag strahlen zu lassen.  Außerdem soll diese gelbe Creme vor bösen Geistern schützen. Im Anschluss wurde die Farbe von den Schwestern abgewaschen, da das Brautpaar sich an diesem Tag nicht selbst waschen darf. Auch essen dürfen sie nicht alleine. Sie werden gefüttert und rund um die Uhr versorgt, um die letzten „freien“ Stunden zu genießen.

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Am selben Tag fuhren wir abends wieder zur Braut, für die die selber Zeremonie abgehalten wurde.  Und im Anschluss gab es die  traditionelle, rein pflanzliche 7-Curry Mahlzeit. Unter anderem Kürbis-, Bananen-, Auberginen-Curry…sehr lecker.IMG_20160805_220506

Tag 3 – Vermählung

Am dritten Tag fand die offizielle Hochzeit statt. Wir fuhren ein paar Stunden früher zur Braut, da wir professionelles Make-Up bekamen – passend zu unseren indischen Kleidern.  Im Nachhinein hatte ich es etwas bereut, weil ich mich super unwohl fühlte. Normalerweise trage ich kein Make-Up, und jetzt hatte ich drei verschiedene Schichten auf meinem Gesicht, sogar mein Rücken wurde bepudert.

Indische Prinzessin für eine Nacht

Dann ging es dann, gestylt bis auf die letzte Haarsträhne, in den Hochzeitssaal. Frauen trugen indische Kleider, Männer normale Anzüge. Erstmal gab es wieder Essen, allerdings konnte ich nur kleine Happen essen, da der Rock bei diesen Kleidern so eng zusammen gezogen wird, das selbst das Atmen schwer fällt.

Dann fing die Zeremonie auch schon an. Die Tante der Braut kam plötzlich zu20160803_183518-01 mir und forderte mich auf, mit anderen Frauen die Braut zum Altar zu begleiten. Ich wusste gar nicht, was da auf mich zu kam. Plötzlich wurde ich vom stillen Beobachter, Teil der Zeremonie! Als ich die Braut draußen sah, war ich sprachlos.  Sie sah aus wie eine richtige Prinzessin. Oder eine indische Göttin, wenn ich das sagen darf. Und dann begleiteten wir sie in unseren indischen Kleidern in den Saal, begleitet von Trommeln und Rasseln. Zusammen überreichten wir dem Bräutigam Geschenke, die aus einer Vielzahl bunter Süßigkeiten bestand.

Dann platzierten sich Braut und Bräutigam zusammen mit zwei Priestern um ein kleines Feuer und die Vermählung begann. Da ich kein Hindu verstehe, kann ich nur berichten, was ich gesehen habe. Die Priester predigten Phrasen, Blumen und andere Dinge wurden ins Feuer warfen, eine Art Segnung von der Familie, ein Ehegelübde und am Ende ein gegenseitiges Füttern mit Hochzeitstorte und das Sprengen der Champagnerflaschen.

Im Anschluss der Zeremonie wurden zig Fotos mit dem frisch vermählten Paar geschossen und dann hieß es Abschied nehmen vom Brautpaar, dass begleitet von einem Familienmitglied zum Bräutigam gefahren wird. Denn anderes wie in christlichen Religion, sieht ihre Hochzeitsnacht so aus, dass ein Familienmitglied Wache hält, dass in der Hochzeitsnacht kein Körperkontakt zu Stande kommt.20160803_205137

 Tag 4 – Rezeption

Nein, damit war die Hochzeit noch nicht beendet. Am vierten Tag fand die sogenannte Rezeption statt. Das heißt westliche Abendkleider, großes Buffet, Whiskey und Tanzen bis die Füße weh taten. Müde vom Tanzen und mit vollem Bauch ging es dann endlich ins Bett. Nun war die Hochzeit beendet. Eine ganz schön lange Prozedur!

Alles in allem war es eine wunderschöne, interessante und unvergessliche Erfahrung und ich bin überaus dankbar, dass ich das alles miterleben durfte.  Vor allem  ein Teil des ganzen zu sein und aktiv teilzunehmen war wunderschön und aufregend. Trotz alledem sind vier Tage auch extrem lange. So schön es auch war, waren wir doch alle froh, als es vorbei war.


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Schaut morgen nochmal vorbei, dann berichte ich etwas genauer über den Lifestyle auf Mauritius, genauer gesagt über die Ernährung, und wieso so viele dort Menschen an Diabetes leiden.

Bis dann

Daria

 

Bildquellen

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